WIR ZEIGEN AUF

ANALYSE EINES TYPISCHEN STUDI-VERTRAGS

Ein typischer Fall: MLP hat einem Studierenden im Juli 2019 einen Finanzvertrag verkauft, der aus zwei gekoppelten Produkten besteht – einer fondsgebundenen Rürup-Rente und einem Zusatzschutz für Berufsunfähigkeit (BU). Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um eine typische Kombination handelt, die MLP in dieser Form häufig an junge Menschen vertreibt. Der Vertrag ist aus mehreren Gründen problematisch – nicht zuletzt wegen stattlicher Kosten. Hält der Studierende an dem Kombivertrag fest, werden in unserem Beispielfall nach einer Hochrechnung über die Jahre zusammengerechnet allein bis zu 22.000 Euro Abschlusskosten fällig.

1. Unflexibles Produktpaket

Gerade für junge Leute wie Studierende ist ein Paket aus Rürup-Rente und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung mit großen Nachteilen behaftet. Es ist laut Expertinnen häufig nicht empfehlenswert, Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten bewerten es als „nicht geeignet“. Das größte Manko: Die Kunden sind über Jahrzehnte an das Paket gebunden, weil der (existenzielle) Zusatzschutz im Bereich Berufsunfähigkeit an eine (starre) Rürup-Vorsorge gekoppelt ist. Gerät der Kunde irgendwann in finanzielle Nöte, lässt sich der Beitrag für die Altersvorsorge nicht einmal zeitweise reduzieren, ohne zugleich den wichtigen BU-Schutz zu kappen. Dabei ließe sich diese Falle mit einem separaten Vertrag leicht umgehen.
Hinzu kommt: Vielen jungen Leuten ist gar nicht klar, dass Rürup-Renten eine extrem starre Vorsorgeform sind. Ganz konkret bedeutet das: Sie kommen an das eingezahlte Geld bis zu ihrem Ruhestand nicht mehr heran – genauso wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Zudem kann der Vorsorgevertrag nicht einmal beliehen oder übertragen werden. Selbst eine Kündigung ist nicht drin!

2. Automatische Beitragssteigerungen

Häufig werden Produkte von Versicherungsvermittlern mit einer automatischen Beitragssteigerung verkauft, der so genannten Dynamik. Dieser Mechanismus kann die Beitragsrate für Kundinnen über die Jahre allerdings enorm verteuern. Im vorliegenden Fall wurden die Beitragszahlungen mit einer sehr hohen Dynamik von jährlich 10 Prozent ausgestattet. Was das in Euro und Cent bedeutet, ist vielen nicht klar: Der Studierende müsste im vorliegenden Fall zum Ende der vereinbarten Laufzeit von 44 Jahren unglaubliche 6070 Euro im Monat aufbringen, wenn er wie vorgesehen an dem Vertrag festhält.
Für den Vermittler allerdings ist die Regelung einträglich: Bei jeder Beitragserhöhung wird ohne erneute Unterschrift ein neuer Vertrag geschlossen. Für MLP heißt das: Jedes Jahr gibt es neue Abschlusskosten. Kurzum: Mit einer hohen Dynamik lassen sich die Provisionen also so lange optimieren bis die Schmerzgrenze des Versicherten bei den monatlichen Zahlungen erreicht ist. Dann gibt es die Möglichkeit, die Dynamik zeitweise aussetzen oder ihr zu widersprechen. Immerhin: Das ist einfach möglich.

3. Hochgelobte Steuervorteile

Im Verkauf führt MLP oft Steuervorteile als besonderes Highlight an. Bei dem Paket aus Rürup-und Berufsunfähigkeitsrente heißt es etwa: „Auch die Beiträge für Ihre Berufsunfähigkeitsabsicherung können Sie steuerlich geltend machen!“ Und tatsächlich kann ein Vertrag steuerlich attraktiv sein. Allerdings besteht der Vorteil lediglich aus einer Verlagerung des Besteuerungszeitpunktes von der Spar- in die Rentenphase. Der Nachteil hingegen, dass alle späteren Rentenzahlungen in voller Höhe steuerpflichtig sind, geht bei den Kunden leicht unter.
Generell gilt: Wenn es um die private Altersvorsorge und wichtigen Versicherungsschutz geht, sollten mögliche Steuervorteile nicht das entscheidende Argument für den Abschluss eines Produkts sein. Und: Im Zweifel sollte ein Steuerberater vorab prüfen, ob die versprochenen Vorteile im Einzelfall auch wirklich greifen – oder nur als Werbeargument herhalten müssen.

4. Verführerischer Rabatt

Am ehesten lassen sich zögerliche Kunden mit niedrigen Beiträgen überzeugen, auch wenn das Produkt eigentlich teurer ist. In unserem Beispielfall wurde wohl deshalb ein Tarif angeboten, dessen Beitrag anfangs massiv reduziert ist. Das sieht günstig aus - und verkauft sich gut. Für Studierende ist ein solcher Anfangsrabatt auch nicht unbedingt nachteilig, wenn sie nach einigen Jahren gutes Geld verdienen. Bei vielen entsteht allerdings der falsche Eindruck, dass es bei den niedrigen Zahlungen bleibt. Ab dem vierten Jahr steigt der Beitrag dann jedoch plötzlich: In unseren Beispielfall verdreifacht er sich von 40,22 Euro auf 134,10 Euro monatlich. Versicherte, die im Laufe der Jahre den Beitragssprung aus dem Blick verloren haben oder zum diesem Zeitpunkt doch noch studieren oder nicht genug verdienen, bekommen leicht ein Problem.

5. Unflexible Kündigung

Bemerkt eine Verbraucherin den Fehlkauf nach Jahren, so kann sie nur die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung kündigen. Der Rürup-Vertrag kann lediglich „beitragsfrei“ gestellt werden. An das eingezahlte Geld, kommt die Verbraucherin selbst im Krankheitsfall oder bei materieller Not erst im Rentenalter und zwar nicht durch Einmalzahlung, sondern durch eine monatliche Rente.
Das Produktpaket birgt also zahlreiche Tücken für Studierende. Sicher ist dank der Gebühren nur: Die Police wird aller Voraussicht nach kontinuierlich Geld für MLP und die Anbieter erwirtschaften.