Bernd Lüll, selbstständiger Feinmechanikermeister aus dem Raum Heidelberg, hat vor mehr als 20 Jahren über MLP einen Vertrag abgeschlossen. Nun warnt er Studierende von dem Finanzvermittler.

Interview von Finanzwende mit Bernd Lüll vom 15. Januar 2020

 

Herr Lüll, Sie haben vor mehr als 20 Jahren einen Vertrag über MLP abgeschlossen. Nun warnen Sie vor MLP und bereuen, dass Sie den Beratern damals Ihr Vertrauen geschenkt haben. Was für eine Art von Vertrag wurde Ihnen von MLP vermittelt?

Ich habe vor 24 Jahren einen Kombivertrag über MLP abgeschlossen. Ein Darlehensvertrag mit Tilgungsaussetzung gekoppelt an eine Lebensversicherung. Das Versprechen: Ich zahle in eine Lebensversicherung ein und bei Renteneintritt hätte ich so viel Rendite erzielt, dass ich mein Hausdarlehen damit abbezahlen kann. Falls mir etwas zustößt bis dahin, springt die Lebensversicherung ein und meine Frau wäre abgesichert.

Wie stehen Sie heute da?

Nun hat sich herausgestellt, dass ich gerade mal ein Drittel der nötigen Summe zusammenhabe. Hinzukommt, dass die Lebensversicherung eigentlich mit 59 Jahren enden sollte. Es wurde mir jedoch mit keiner Silbe mitgeteilt, dass der Vertrag unter Umständen verlängert werden kann, bis ich 75 Jahre alt bin. Im Alter von 59 werde ich also nicht an mein Geld rankommen und es wäre jetzt auch viel zu wenig, um mein Darlehen abzubezahlen.  


Und die Information wegen des Rentenalters mit 75 – das konnten Sie sehen, aber da wurde Ihnen nicht mitgeteilt, was das bedeuten würde?

Nein, das wurde sogar noch verklärt. Auf meine Nachfrage, dass das gesetzliche Rentenalter 65 wäre und hier steht 75 – wurde mir gesagt, dass das mit Absicht so gemacht werde, dass man mit 59 nur eine Teilsumme ausgezahlt werde und die Restsumme könne man behalten als Altersvorsorge und Rentenvertrag, der zusätzlich vier Prozent Garantiezins habe.

Fühlten Sie sich damals beim Verkaufsgespräch ausreichend informiert?

Es war ein großer Vorschuss, den man den Leuten gegeben hat an Vertrauen, da sie aus dem persönlichen Bekanntenkreis kamen. Ich war vorher immer kritischer beim Abschluss von Finanzprodukten, aber hier war ich weniger kritisch, weil es Bekannte von Bekannten waren. Immer wenn ich was von „Deckungslücken“ oder so in der Zeitung gelesen hab, habe ich bei MLP nachgefragt, und die meinten bis 2014: ist alles ok, Herr Lüll.

Das heißt, Sie waren schon am Zweifeln und haben nachgefragt, ob irgendetwas nicht stimmt?

Ich habe nachgefragt und irgendwann 2016/2017 hatten wir nochmal ein Treffen mit MLP, die meinten, es handele sich hier um einen Langläufer, der in die Zukunft springt. Und um das Ganze abzufedern, müsste man jetzt zusätzlich in einen Fondssparplan investieren. Um mal ein paar Summen zu nennen: Der Lebensversicherungsvertrag schluckt 340 Euro pro Monat und es wurden mir nochmal 700 Euro monatlicher Fondssparplan von MLP empfohlen, um die Lücke auszufüllen.

Was sagt MLP dazu?

Ich wollte eigentlich mit MLP ins Gespräch kommen für eine vernünftige einvernehmliche Lösung, aber das war leider nicht möglich. Kontakt gibt es jetzt nur noch über die Rechtsabteilung von MLP.

Wie fühlen Sie sich, wenn sie an den Vertragsabschluss denken, wie hat das Ganze Ihr Leben verändert?

Da muss man jetzt schlimme Worte benutzen. Betrogen, verraten und verarscht. Und immer wenn es eng wurde, keinerlei Beratung oder Hilfestellung, sondern zum Teil Hohn und Spott.

Welchen Rat würden Sie jungen Leuten geben, Herr Lüll?

Mehr als Augen auf und immer kritisch sein. Keiner von denen hat etwas zu verschenken. Immer wenn gelobpreist wird, wie toll das Produkt ist, dann weiß ich genau mittlerweile, dass das nicht so ist. Die ganzen unverbindlichen, hypothetischen Hochrechnungen…

Bernd Lüll - Selbstständiger Feinmechanikermeister